Allgemeines zur Winterreifentechnik
 

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Schubert DAR 2006, 112: Allgemeines zur Winterreifentechnik


Zur Winterreifentechnik im allgemeinen führt Schubert DAR 2006, 112 ff. u. a. aus:
"... Obwohl die „M+S"-Kennzeichnung EU-rechtlich und in der StVZO straßenverkehrsrechtlich verankert ist, unterliegt die Verwendung des Symbols keiner Prüfung und Kontrolle und genießt daher keinerlei Schutz. Da es keine geschützte Bezeichnung ist, ermöglicht die M+S-Kennzeichnung letztlich auch keine gesicherte Aussage zur tatsächlichen Wintertauglichkeit. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat sich die Reifenindustrie auf einen neuen industrieeinheitlichen Standard für wintertaugliche Reifen geeinigt und hierfür das so genannte „Schneeflockensymbol” als Ergänzung zu der „M+S"-Kennzeichnung geschaffen. Diese aus den USA übernommene „Snow Flake” Kennzeichnung besteht aus einer stilisierten Schneeflocke. In Europa wird das Symbol nach einem international anerkannten Testverfahren von der europäischen Dachorganisation der Reifenindustrie ETRTO (European Tyre and Rim Technical Organisation) vergeben.

Um sich zusätzlich für das Schneeflockensymbol zu qualifizieren, müssen Winterreifen in einem standardisierten Schnee-Traktions-Test eine mindestens um 10% höhere Traktion im Vergleich zu den Werten für Reifen aller Hersteller nachweisen.





Die ersten Prototypen eines Winterreifens für den speziellen Einsatz auf Eis und Schnee wurden bereits 1914 entwickelt. Nach vereinzelten Versuchen verschiedener Reifenhersteller in den 30er Jahren gingen spezielle M+S-Reifen jedoch erst Ende der 40er Jahre wirklich in Serie. Die ersten Winterreifen waren grobstollig und laut, außerdem hart und nach heutigen Maßstäben nur bedingt wintertauglich. Und sie durften nur relativ langsam gefahren werden. Den eigentlichen Durchbruch für Winterreifen brachten erst neu entwickelte Laufflächenmischungen und die Lamellentechnik.

Lamellen bilden Tausende von Griffkanten auf Eis und Schnee. Damit ermöglichen sie eine bessere Traktion, kürzere Bremswege und sicheres Kurvenverhalten. Die versetzten Profilblöcke des Winterreifens dienen dem gleichen Zweck, denn auf ihren geraden Längsrillen rutschen Sommerreifen bei Schnee wie auf Schienen. Die lameilenartigen Kanten und Rillen in Längs- und/oder Querrichtung sind feine wabenförmige Einschnitte im Profilblock, die wie kleine Saugnäpfe wirken. Diese funktionalen Lamellen pressen den Schnee zu einer Art „Zahnschiene” - so entsteht eine optimale Verzahnung von Reifen und Fahrbahn. Darüber hinaus besitzen Winterreifen auch eine größere Zahl von Negativ-Blöcken für eine gute Bodenhaftung. Bewegt sich der Reifen zum Beispiel beim Anfahren, dann verformen sich die Profilklötze und bilden auch mit Hilfe der vielen Feineinschnitte eine Vielzahl von Griffkanten, die sich mit dem winterlichen Untergrund verkanten. Das garantiert bessere Bremseigenschaften und Beschleunigungswerte auch auf rutschigem Untergrund. Neben einem speziellen Profil und einer größeren Zahl von Negativ-Blöcken für gute Bodenhaftung bestehen Winterreifen aus speziellen Kautschukmischungen, damit die Lauffläche nicht bei kalten Temperaturen verhärtet. Einer der wichtigsten Bestandteile ist Silkia, ein Kieselsäureprodukt, das die Reißfestigkeit des Gummis erhöht, ohne das Material zu verhärten. Der Abrieb wird gesenkt und die Laufleistung gesteigert. Der Reifen verfügt über eine bessere Haftung, weil die Mischung wegen der höheren Festigkeit weicher ausgelegt werden kann. Dadurch und durch einen höheren Kautschukanteil bleiben Winterreifen bei niedrigen Temperaturen flexibel und griffig. Bei Eis, Schnee und niedrigen Außentemperaturen bieten Winterreifen bzw. M+S-Reifen insgesamt eine höhere Sicherheit. Besonders den Hochgeschwindigkeitsreifen sind sie in der kalten Jahreszeit überlegen, da die Laufflächen der Hochgeschwindigkeitsreifen bei niedrigen Außentemperaturen „verhärten”. Nach Aussagen der Reifenhersteller ist ein M+S-Reifen bereits ab plus 7 °C auf nassen und glatten Fahrbahnen anderen Reifen überlegen. Hierbei handelt es sich allerdings bestenfalls um einen Orientierungswert für die geeignete Zeit zur Umrüstung. Denn ADAC-Tests haben gezeigt, dass die Bremswege von Sommer- und Winterreifen auf trockener und nasser Fahrbahn bei niedriger Temperaturen kein einheitliches Bild zeigen. Einzelne Winterreifen verursachen längere Bremswege als Sommerreifen, nur wenige erzeugen kürzere Bremswege.

... Die Höchstgeschwindigkeit liegt für Winterreifen je nach Bauart und Kennzeichnung entweder bei 160 km/h (Speed Index Q), 190 km/h (T), 210 km/h (H) oder sogar 240 km/h (V). Sofern ein Fahrzeug für höhere Geschwindigkeiten als der jeweilige Winterreifen ausgelegt ist, muss eine Plakette mit der für die M+S-Reifen geltenden Höchstgeschwindigkeit im Blickfeld des Fahrers angebracht und muss im Betrieb die Reifenhöchstgeschwindigkeit eingehalten werden. Werden Lkw nur auf der Antriebsachse mit M+S-Reifen ausgerüstet und ist deren zugelassene Höchstgeschwindigkeit niedriger als die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit, müssen die anderen Reifen dieser weiterhin entsprechen; die zugelassene Höchstgeschwindigkeit der M+S-Reifen ist insoweit nicht maßgeblich. ..."







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