Prognoserisiko bei der gutachterlichen Feststellung der Reparaturkosten
 

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Prognoserisiko bei der gutachterlichen Feststellung der Reparaturkosten und des Wiederbeschaffungswertes


Nicht selten kommt es vor, dass sich bei der realen Reparaturdurchführung herausstellt, dass der Aufwand höher wird als ursprünglich vom beauftragten Sachverständigen erwartet wurde.

Besonders, wenn die sog. 130-%-Grenze dabei überschritten wird, stellt sich die Frage, wer dieses Risiko trägt: der Geschädigte oder der Schädiger.

Nach herrschender Meinung in der Rechtsprechung liegt das Prognoserisiko beim Schädiger.







Gliederung:

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Allgemeines:

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Einhaltung der 130-%-Grenze:

  • Integritätsinteresse und Ersatz der Reparaturkosten bis zu 130-% des Wiederbeschaffungswertes - die sog. 130-%-Grenze

  • OLG Frankfurt am Main v. 11.10.2000:
    Das Prognoserisiko bezüglich einer Überschreitung der sog. 130-%-Grenze geht nicht zu Lasten des Geschädigten, sondern allein des Schädigers und seiner Haftpflichtversicherung, da der Schädiger den Geschädigten in die missliche Lage gebracht hat, von Prognosen von Sachverständigen über die Reparaturwürdigkeit des Fahrzeuges abhängig zu sein.

  • LG München v. 17.03.2005:
    Erteilt der Geschädigte den Reparaturauftrag auf Grund eines der Wirtschaftlichkeit bestätigenden Sachverständigengutachtens und stellt sich später heraus, dass noch eine weitere Reparatur erforderlich ist, so geht die falsche Prognose zu Lasten des Schädigers, auch wenn dadurch die sog. 130,%-Grenze überschritten wird.

  • OLG München v. 13.11.2009:
    Lässt ein Geschädigter, wenn die vom Sachverständigen kalkulierten Reparaturkosten die 130 % Grenze überschreiten, auf einem alternativen Reparaturweg reparieren und gelingt es ihm dabei nicht, das Fahrzeug zu Kosten innerhalb der 130 % Grenze vollständig und fachgerecht in einen Zustand wie vor dem Unfall zurückzuversetzen, kann er sich zur Begründung seiner Reparaturkostenforderung nicht auf ein unverschuldetes Werkstatt- oder Prognoserisiko berufen.

  • OLG Schleswig v. 08.01.2015:
    Setzt der vom Geschädigten beauftragte Kfz-Sachverständige bei einem 18 Jahre alten Mercedes-Pkw mit einer Laufleistung von mehr als 500.000 km den Wiederbeschaffungswert mit 4.800,00 € an und ist dieser Wert wegen des guten Pflegezustandes und werterhaltender Reparaturen nicht geradezu nachvollziehbar, dann muss der Haftpflichtversicherer des Schädigers Reparaturkosten in Höhe von 5.899,31 € bezahlen, weil sich dieser Betrag innerhalb der sog. 130-%-Grenze bewegt und das Prognoserisiko zu Lasten des Schädigers geht.

  • LG Köln v. 04.06.2015:
    Sofern der prognostizierte Reparaturaufwand zwischen dem Wiederbeschaffungswert und weiteren 30 % liegt, darf sich der Geschädigte bei Vorliegen eines Integritätsinteresses für eine Reparatur entscheiden und hat dementsprechend einen Anspruch auf Ersatz der Reparaturkosten. Das Prognoserisiko hinsichtlich der Höhe der Reparaturkosten, also dass sich die Einschätzung des Sachverständigen im Nachhinein nicht bestätigt, trägt dabei grundsätzlich der Schädiger. - Eine Begrenzung des Ersatzanspruchs des Geschädigten, weil das Werkstatt- oder Prognoserisiko ausnahmsweise zu Lasten des Geschädigten geht, ergibt sich nicht aus dem Umstand, dass der Geschädigte den Sachverständigen nicht über den vorliegenden Hagelschaden informiert hat, wenn der Schaden derart offensichtlich gewesen ist, dass eine diesbezügliche Aufklärungspflicht nicht bestanden hat..

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