OLG Koblenz Beschluss vom 20.04.2011 - 12 W 195/11 - Zur regelmäßigen Prüfungsfrist von vier bis sechs Wochen in der Unfallschadenregulierung
 

Das Verkehrslexikon
 

Home  |   Webshoprecht  |   Datenschutz  |   Impressum  |     

 





 


Personenschaden - Regulierungsdauer/Regulierungsfrist - Schadensersatz - Schadensminderung - Schadenspositionen - Unfalltypen - Versicherungsthemen


OLG Koblenz v. 20.04.2011: Zur regelmäßigen Prüfungsfrist von vier bis sechs Wochen in der Unfallschadenregulierung


Das OLG Koblenz (Beschluss vom 20.04.2011 - 12 W 195/11) hat entschieden:
Dem nach einem Verkehrsunfall in Anspruch genommenen Haftpflichtversicherer ist in durchschnittlichen Verkehrsunfällen regelmäßig eine Prüfungsfrist von vier bis sechs Wochen zuzubilligen, vor deren Ablauf keine Veranlassung zur Klageerhebung besteht. Wechselt während des Laufes der angemessenen Regulierungsfrist der Geschädigte von einer abstrakten Schadensberechnung zur konkreten, kann der Haftpflichtversicherer weitere Prüfungszeit in Anspruch nehmen.





Gründe:

Die Beschwerde hat keinen Erfolg.

Nachdem die Parteien in dem am 25.01.2011 festgestellten Vergleich bestimmt haben, dass das Gericht über die Kosten des Rechtsstreits befinden solle, ist gemäß § 91 a ZPO über die Kosten zu entscheiden. Dies führt dazu, dass die Kosten des Rechtsstreits dem Kläger aufzuerlegen sind.

Soweit die Beklagten die Forderung des Klägers erfüllt haben, ist der Rechtsgedanke des § 93 ZPO zu berücksichtigen. Die Klageschrift ist am 15.09.2010 bei dem Landgericht eingegangen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Beklagten noch keine Veranlassung zur Erhebung der Klage gegeben.

Dem Haftpflichtversicherer, der nach einem Verkehrsunfall in Anspruch genommen wird, ist bei durchschnittlichen Verkehrsunfällen im Regelfall eine Prüfungsfrist von 4 bis 6 Wochen zuzubilligen, vor deren Ablauf eine Klage nicht veranlasst ist (Zöller/Herget, ZPO, 28. Aufl., § 93 Rndr. 6 Stichwort Haftpflichtversicherung; Himmelreich/Halm, Handbuch der Kfz-Schadensregulierung, Rndr. 172). Da es sich vorliegend um einen durchschnittlichen Verkehrsunfall handelt, ist die genannte Regelfrist von 4 bis 6 Wochen maßgeblich.

Der Kläger hat die Beklagte zu 2) mit Schreiben vom 06.08.2010 zur Schadensregulierung aufgefordert, wobei er unter anderem unter Bezug auf ein Gutachten der ...[A] vom 31.07.2010 Reparaturkosten von 9.240,28 € netto in Ansatz gebracht hat. Geht man davon aus, dass mit diesem Schreiben die Prüfungsfrist für die Beklagte zu 2) begonnen hat, so waren bei Eingang der Klage bei dem Landgericht am 15.09.2010 noch keine 6 Wochen verstrichen. Der Beklagten zu 2) war, wenn man die Frist mit dem Schreiben vom 06.08.2010 beginnen lässt, die Obergrenze des Zeitraums von 4 - 6 Wochen, also 6 Wochen für eine Prüfung zuzubilligen. Dies ist deshalb gerechtfertigt, weil der Kläger 2 Wochen nach dem Schreiben vom 06.08.2010 mit weiterem Schreiben vom 19.08.2010 die Reparaturrechnung des …[B] vom 16.08.2010 vorgelegt und auf der Basis dieser Rechnung nunmehr Reparaturkosten in Höhe von 10.462,52 € netto/12.450 € brutto abgerechnet hat. Für die Überprüfung dieser Rechnung vom 16.08.2010 konnte die Beklagte zu 2) weitere Zeit in Anspruch nehmen.

Geht man alternativ davon aus, dass die Prüfungsfrist erst mit dem Schreiben vom 19.08.2010 begonnen hat, war bei Eingang der Klage am 15.09.2010 nicht einmal die mindestens zuzubilligende Frist von 4 Wochen abgelaufen.

Bezüglich der von der Beklagten nicht erfüllten Klageforderung in Höhe von 828,45 € war der Ausgang des Rechtsstreits offen, so dass insofern eine Kostenbeteiligung der Beklagten in Frage kommt, im Hinblick auf § 92 Abs. 2 ZPO aber ausscheidet.

Die Entscheidung über die Kosten des Beschwerdeverfahrens beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.




Weiteres zum Thema Versicherung: - nach oben -









 Google-Anzeigen: