Das Verkehrslexikon

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Verstöße gegen die gesetzliche Pflichtversicherung




Gliederung:


- Einleitung
- Allgemeines
- Rechtsprechung Strafrecht
- Amtspflichtverletzung der Zulassungsstelle
- Zwangsabmeldung / Zwangsstilllegung



Einleitung:


Seit Erstellung dieses Artikels hat der Gesetzgeber - in manchmal umfassender Weise - Vorschriften geändert, die für das hier behandelte Thema relevant sind. Dies betrifft vor allem Vorschriften des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG), des Pflichtversicherungsgesetzes (PflVG) sowie den Ersatz von Vorschriften der Straßenverkehrs-Zulassungsverordnung (StVZO) durch solche der Fahrzeugzulassungsverordnung (FZV). - Beispiel: Ersatz des § 29c StVZO durch § 25 FZV.

Die Benutzung eines der Pflichtversicherung unterliegenden unversicherten Kraftfahrzeugs im öffentlichen Straßenverkehr, aber auch das Zulassen des öffentlichen Gebrauchs durch einen anderen Fahrzeugführer ist eine strafbare Handlung.

Jedoch ist es im jeweiligen Einzelfall nicht immer einfach, die Feststellung zu treffen, ob eine wirksame Haftpflichtversicherung bestand. So können z. B. Fahrten zur Zulassungsstelle mit einem nichtversicherten Fahrzeug Probleme aufwerfen; auch die missbräuchliche Verwendung roter Kennzeichen bzw. von Kurzkennzeichen kann strafrechtliche Konsequenzen haben. Insbesondere die Übung der Haftpflichtversicherer, Mahnungen und Kündigungsschreiben mit einfachem Brief anstatt mit Einschreiben zu versenden, führt in der Praxis regelmäßig zu Schwierigkeiten, das Nichtbestehen des Versicherungsschutzes überhaupt und erst recht die Kenntnis des Betroffenen davon im Ermittlungsverfahren zu beweisen.

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Allgemeines:


Stichwörter zum Thema Kfz-Versicherung

Prämienverzug und Beendigung des Versicherungsvertrages

Zu den Voraussetzungen der Strafbarkeit nach § 6 PflVG

Verschiedene Fallgestaltungen hinsichtlich der Strafbarkeit gem. § 6 PflVG

Die vorläufige Versicherungsbestätigung gem. § 29a StVZO (sog. Doppelkarte) und Fahrten zur Zulassungsstelle

Fahrten im Zusammenhang mit dem Zulassungsverfahren und nach der Abmeldung eines Kfz

Rote Kennzeichen / Kurzkennzeichen

Die Ruheversicherung bei vorübergehender Stillegung, bei Saison- und Kurzzeitkennzeichen und der Gebrauch des Kfz während der Ruheversicherung

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Rechtsprechung Strafrecht:


BGH v. 03.11.1983:
Wer ein Fahrzeug auf öffentlichen Wegen oder Plätzen gebraucht oder den Gebrauch gestattet, obwohl der für das Fahrzeug abgeschlossene Haftpflichtversicherungsvertrag nach VVG § 39 Abs 3 S 1 wirksam fristlos gekündigt worden ist, ist auch dann nach PflVG § 6 strafbar, wenn die Wirkungen der Kündigung gemäß VVG § 39 Abs 3 S 3 durch nachgeholte Prämienzahlung wieder weggefallen sind.

BGH v. 16.04.1985:
Wer auf öffentlichen Wegen oder Plätzen ein Fahrzeug gebraucht oder den Gebrauch gestattet, für welches Haftpflichtversicherungsschutz auf Grund einer vorläufigen Deckungszusage besteht, macht sich nicht nach PflVG § 6 strafbar, wenn die vorläufige Deckung später infolge Nichteinlösung des Versicherungsscheins rückwirkend wegfällt oder wenn der Versicherer vom Vertrag gemäß VVG § 38 zurücktritt.

BayObLG v. 21.05.1993:
Wer auf öffentlichen Wegen oder Plätzen ein vorläufig stillgelegtes Fahrzeug gebraucht, für welches ein Haftpflichtversicherungsschutz auf Grund einer Ruheversicherung nach AKB § 5 Abs 1 S 2, Abs 2 bis 6 besteht, macht sich nicht nach PflVG § 6 strafbar.

KG Berlin v. 26.11.2001:
Eine Verurteilung wegen (fahrlässigen) Fahrens ohne Haftpflichtversicherungsschutz setzt die Beendigung des Versicherungsvertrages voraus; der Nachweis des Zugangs des Mahn- und des Kündigungsschreibens kann nur durch positive Beweisanzeichen festgestellt werden. Hierfür reicht allein der Nachweis der Aufgabe zur Post nicht aus.

BayObLG v. 07.11.2002:
Ein Kraftfahrzeug ist mit roten Kennzeichen auch dann im Sinne der Sonderbedingung zur Haftpflicht- und Fahrzeugversicherung für Kraftfahrzeug-Handel und -Handwerk "versehen", wenn die Kennzeichen im Fahrzeuginnern so angebracht sind, daß sie von Außen abgelesen werden können. Ein Verstoß gegen § 6 PflVersG scheidet bei ordnungsgemäß ausgegebenen roten Kennzeichen in einem derartigen Fall aus.

OLG Hamm v. 18.12.2006:
Die Tatsache, dass mit einem mit einem roten Versicherungskennzeichen versehenen Fahrzeug entgegen § 29g StVZO keine Probe- oder Überführungsfahrt, sondern eine Einkaufsfahrt durchgeführt wird, führt für sich allein angesichts der Tatsache, dass trotz der Obliegenheitsverletzung des Versicherungsnehmers die Leistungspflicht des Haftpflichtversicherers im Außenverhältnis zu geschädigten Dritten bestehen bleibt, nicht zur Strafbarkeit wegen eines Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz.

OLG Köln v. 18.06.2013:
Der Begriff "Gestatten des Gebrauchs" i.S.d. § 6 Abs. 1 PflVG erfordert, dass der Gestattende gegenüber dem Gebrauchenden eine übergeordnete Sachherrschaft an dem Fahrzeug hat. Es setzt zumindest stillschweigendes Einverständnis voraus; dass der Gebrauch nur ermöglicht wird, reicht zur Strafbarkeit nicht aus.

OLG Celle v. 08.08.2013:
Besteht eine vorläufige Deckungszusage auch für Zulassungsfahrten nach H.3.1 AKB 2008, so erfüllt eine Fahrt vor der Zulassung des Fahrzeugs zu anderen als Zulassungszwecken nicht den objektiven Tatbestand des § 6 Abs. 1 PflVG, weil hierin lediglich die Verletzung einer Obliegenheitspflicht im Rahmen eines bestehenden Versicherungsverhältnisses zu sehen ist, die nicht den Bestand des Versicherungsvertrages an sich beeinträchtigt.

OLG Düsseldorf v. 27.01.2014:
Das Gestatten des Gebrauchs i.S.d. § 6 Abs. 1 PflVG erfordert, dass der Gestattende gegenüber dem Gebrauchenden ein übergeordnete Sachherrschaft an dem Fahrzeug hat; eine Ermöglichung des Gebrauchs reicht nicht aus.

KG Berlin v. 08.06.2018:
Bei einer Verurteilung wegen eines Vergehens gegen §§ 1, 6 PflVG müssen die Urteilsgründe erkennen lassen, aufgrund welcher Umstände das Tatgericht von einer zivilrechtlich wirksamen Beendigung des Versicherungsvertrags ausgegangen ist. Es ist entweder darzutun, dass dem Versicherungsnehmer die Kündigung zugegangen ist oder aufgrund welcher tatsächlichen Umstände die Zugangsfiktion des § 13 Abs. 1 VVG zum Tragen gekommen ist.

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Amtspflichtverletzung der Zulassungsstelle:


OLG Karlsruhe v. 17.08.2010:
Bleibt die Aufforderung an den KfZ-Halter, das Fahrzeug abzumelden, unbeantwortet und muss daraufhin die zwangsweise Außerbetriebssetzung veranlasst werden, so darf sich die zuständige Behörde wegen der geringen Erfolgsaussichten nicht damit begnügen, die Fahrzeugdaten in eine Fahndungskartei aufzunehmen. Die zuständige Behörde muss vielmehr eigene Maßnahmen wie die Überprüfung der Wohnungsumgebung oder Nachfragen bei Nachbarn durchführen oder veranlassen. Sie muss letztlich die Einziehung des Fahrzeugscheins und die Entstempelung des Kennzeichens ggf. zwangsweise durchsetzen und dabei den Polizeivollzugsdienst je nach landesrechtlichen Möglichkeiten um Durchführung von Zwangsmaßnahmen ersuchen oder um notwendige Vollzugshilfe bitten.

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Zwangsabmeldung / Zwangsstilllegung:


Zwangsstilllegung

VG Koblenz v. 18.10.2010:
Die der Gebührenfestsetzung für eine Zwangsstilllegung zugrunde liegende Amtshandlung ist rechtmäßig, da die Zulassungsstelle nach einer Mitteilung durch das Kraftfahrt-Bundesamt gemäß § 25 Abs. 4 Satz 1 der Verordnung über die Zulassung von Fahrzeugen zum Straßenverkehr (FZV) verpflichtet ist, das Fahrzeug unverzüglich außer Betrieb zu setzen. Dieser Pflicht genügt die Behörde mit Blick auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit regelmäßig dadurch, dass sie den Fahrzeughalter auffordert, eine neue Versicherungsbestätigung vorzulegen oder das Fahrzeug still zu legen. Eine Pflicht der Zulassungsstelle, die Mitteilung auf ihre inhaltliche Richtigkeit hin zu überprüfen, besteht nicht, da dies dem Zweck der Vorschrift – unversicherte Fahrzeuge schnellstmöglich aus dem Verkehr zu entfernen – zuwiderliefe.

BGH v. 05.05.2021:
Kfz-Haftpflichtversicherung: Anwendbares Recht für Innenausgleich zwischen 2 Haftpflichtversicherungen bei Gespannschaden

BGH v. 17.02.2026:
Zum Gebrauch eines Fahrzeugs ohne Versicherungsschutz: Bloßes Mitfahren erfüllt den Tatbestand nicht

BGH v. 27.09.2022:
Zum Regelungsgehalt der EU-Kraftfahrzeughaftpflicht-Richtlinien: Abgrenzung von Pflichtversicherungs- und Haftpflichtregelungen

Amtsgericht Mönchengladbach-Rheydt v. 11.02.2022:
Zur Haftung für Schäden durch einen von Hand gezogenen Anhänger nach polnischem Recht und der Deckung durch die Kfz-Haftpflichtversicherung

Landgericht Köln v. 16.07.2020:
Innenregress zwischen Haftpflichtversicherern bei Unfällen mit ausländischen Fahrzeugen und Anhängern: Anwendbarkeit deutschen Rechts

Amtsgericht Mönchengladbach v. 14.03.2024:
Regressanspruch des Kfz-Haftpflichtversicherers bei Nutzung eines roten Kennzeichens für eine angebliche Privatfahrt

Landgericht Dortmund v. 20.08.2025:
Zur Haftung beim Auffahrunfall und zur Passivlegitimation des Versicherers bei nicht zustande gekommenem Vertrag

Amtsgericht Wuppertal v. 26.09.2017:
Zur Beweislast des Geschädigten für den Unfallhergang und die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners

Verwaltungsgericht Köln v. 25.01.2021:
Zur Rechtmäßigkeit von Gebühren für die zwangsweise Außerbetriebsetzung eines Kfz bei bestehendem Versicherungsschutz

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen v. 09.07.2020:
Zur Inanspruchnahme des ehemaligen Geschäftsführers einer liquidierten GmbH bei fehlendem Versicherungsschutz für Fahrzeuge

Landgericht Düsseldorf v. 03.05.2018:
Haftung für Kfz-Haftpflichtversicherungsprämien bei bestrittener Haltereigenschaft und Geschäftsführung ohne Auftrag

OLG Köln v. 11.04.2018:
Zur Strafbarkeit nach § 6 PflVG bei fehlendem Haftpflichtversicherungsvertrag: Anforderungen an die Feststellungen zur Vertragsbeendigung

OLG Hamm v. 01.03.2018:
Zum Nachweis der Wirksamkeit einer Kündigung des Versicherungsschutzes für eine Strafbarkeit nach § 6 PflVG

BVerwG v. 10.12.2015:
Zur Stilllegung eines Kraftfahrzeugs nach Erlöschensanzeige des Haftpflichtversicherers, Kostentragung und Pflicht zur Sachaufklärung der Zulassungsbehörde.

Amtsgericht Köln v. 02.09.2014:
Prämienberechnung bei vorläufiger Kfz-Haftpflichtversicherung ohne Angaben des Versicherungsnehmers

Verwaltungsgericht Aachen v. 04.06.2014:
Zur Nachforschungspflicht der Straßenverkehrsbehörde bei Anzeige des Erlöschens einer Haftpflichtversicherung

Amtsgericht Mönchengladbach v. 08.10.2015:
Kleine Benzinklausel: Gebrauch eines Fahrzeugs beim manuellen Fortbewegen eines nicht fahrbereiten Pkw

Verwaltungsgericht Köln v. 14.02.2014:
Zur Stilllegung eines Fahrzeugs bei Anzeige der Versicherung über fehlenden Kfz-Haftpflichtschutz

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 19.03.2013:
Gebührenfälligkeit für Außendiensttätigkeit bei fehlendem Versicherungsschutz und nachträglichem Nachweis

Verwaltungsgericht Aachen v. 03.01.2012:
Zur Gebührenerhebung für eine Betriebsuntersagung bei fehlendem Haftpflichtversicherungsschutz und zur Fortsetzungsfeststellungsklage

OLG Köln v. 18.06.2013:
Zum Begriff des 'Gestattens des Gebrauchs' eines Fahrzeugs ohne Versicherungsschutz und zur Nötigung bei Unfallflucht

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 01.02.2011:
Zur Haftpflichtversicherungspflicht eines freiwillig zugelassenen Spezialanhängers

Verwaltungsgericht Münster v. 01.09.2010:
Zur Gebührenfestsetzung für behördliche Maßnahmen bei fehlendem Kfz-Versicherungsschutz

Verwaltungsgericht Minden v. 26.10.2009:
Gebührenpflicht bei Außerbetriebsetzung eines Fahrzeugs wegen fehlendem Kfz-Haftpflichtversicherungsschutz

Landgericht Köln v. 29.03.2007:
Zum Begriff des Gebrauchs eines Kfz in der Kfz-Haftpflichtversicherung bei Verschieben eines Rollers nach dem Parken

OLG Hamm v. 18.12.2006:
Zur Strafbarkeit wegen Fahrens ohne Versicherungsschutz bei Missbrauch eines roten Versicherungskennzeichens für private Fahrten

Verwaltungsgericht des Saarlandes Saarlouis v. 08.09.2010:
Versicherungsbestätigung

Verwaltungsgericht des Saarlandes Saarlouis v. 16.12.2011:
Versicherungsbestätigung

Verwaltungsgericht Düsseldorf v. 11.10.2013:
Zwangsstilllegung

Verwaltungsgericht Oldenburg v. 08.12.2003:
Zwangsstilllegung

OLG Köln v. 16.12.2003:
Mofa

OLG Köln v. 14.10.1998:
Folgeprämie

Europäischer Gerichtshof v. 24.10.2013:
Ersatz von SV-Kosten für

VGH München v. 27.07.2021:
Versicherungsbestätigung

Verwaltungsgericht Bayreuth v. 25.01.2023:
Versicherungsbestätigung

OLG Frankfurt am Main v. 10.05.2017:
Erstprämie

Hessischer Verwaltungsgerichtshof v. 08.04.2013:
Versicherungsbestätigung

Verwaltungsgericht Kassel v. 20.05.2010:
Zwangsstilllegung

Verwaltungsgericht Schwerin v. 10.12.2021:
Versicherungsbestätigung

Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg v. 11.01.2012:
Versicherungsbestätigung

Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg v. 06.10.2010:
Versicherungsbestätigung

OLG Koblenz v. 19.05.2016:
Kennzeichenmissbrauch

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