Wildschäden - Teilkaskoversicherung - Vollkaskoversicherung - Fahrzeugversicherung - Wildschadenklausel - Haarwild - Beweis - Zeugen - Spuren
 


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Wildschäden


Gem. § 12 Abs. 1 Abschnitt I Buchst. d) werden in der Fahrzeugversicherung - egal ob Voll- oder Teilkasko - auch Schäden am Kfz ersetzt, die durch einen Zusammenstoß des in Bewegung befindlichen Fahrzeugs mit Haarwild im Sinne des Bundesjagdgesetzes entstanden sind.

Die Anzahl von Kollisionen von Kfz mit verschiedenen Wildsorten - meist bei Dämmerung oder Dunkelheit - ist im ländlichen Raum nicht unbedeutend.

Hat man eine Fahrzeugversicherung abgeschlossen und will sich die Möglichkeit, von dieser Ersatz von Schäden zu erlangen, nicht von vornherein selbst verbauen, muss der Unfall unverzüglich der Polizei gemeldet werden. Dies gilt auch, wenn es nicht zu einer Kollision mit dem Tier gekommen ist, es jedoch beim Versuch, das Fahrzeug oder das Tier vor dem Zusammenstoß zu "retten", zu Beschädigungen am Kfz gekommen ist.

Diejenigen Schäden, die ohne tatsächlichen Zusammenstoß mit Haarwild dadurch verursacht werden, dass der Fahrzeugführer entweder durch eine Gewaltbremsung oder ein Ausweichmanöver die Kontrolle über das von ihm geführte Fahrzeug verliert, werden unter dem Stichwort Rettungskosten behandelt-








Gliederung:



Allgemeines: - nach oben -
  • Der Ersatz des sog. Wildschadens in der Kfz-Fahrzeugversicherung

  • BGH v. 18.12.1991:
    Der Versicherungsschutz nach der Wildschadenklausel des AKB § 12 Abs 1 UAbs 1 Buchst d, wonach die Fahrzeug-Teilversicherung Beschädigungen durch einen Zusammenstoß mit Haarwild umfasst, setzt einen Ursachenzusammenhang zwischen der Berührung mit dem Wild und dem Unfallschaden voraus. Dieser Ursachenzusammenhang kann auch bestehen, wenn der Zusammenstoß mit dem Wild die adäquate Ursache für ein späteres zum Unfall führendes Verhalten des Fahrzeugführers war. Das Verhalten ist nicht mehr adäquat ursächlich, wenn es eine grob fahrlässige Überreaktion darstellt.

  • OLG Hamm v. 12.12.1997:
    Die Wildschadenklausel erfasst über Anstoßschäden hinaus auch solche Schäden, die durch eine Fehlreaktion infolge des Aufpralls eingetreten sind. Grob fahrlässiges Verhalten des Fahrers, der nicht Repräsentant ist, schadet dem Versicherungsnehmer bei einer eventuellen Fehlreaktion nicht.

  • KG Berlin v. 13.06.2006:
    Ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer ohne versicherungsrechtliche Spezialkenntnisse ist in der Lage, eine Klausel in den Bedingungen für die Fahrzeugkaskoversicherung, wonach ein Wildschaden über 300 DM der Polizei anzuzeigen ist, dahin zu verstehen, dass sich die Anzeigepflicht auf den Kaskoschaden am versicherten Fahrzeug und nicht auf etwaige Fremdschäden (Wild, Straßenbäume, Leitplanken) bezieht.

  • AG Lörrach v. 02.12.2013:
    § 90 VVG erstreckt die Ersatzpflicht des Versicherers dabei auf Aufwendungen, die der Versicherungsnehmer tätigt, um einen unmittelbar bevorstehenden Versicherungsfall abzuwenden. Im Fall der Wildschadensversicherung kann der Versicherer damit dem Grunde nach Ersatz derjenigen Schäden schulden, die dem Versicherungsnehmer dadurch entstehen, dass er den Eintritt des Versicherungsfalls - hier: des Zusammenstoßes mit Haarwild - durch ein Ausweichmanöver abzuwenden sucht. Der Schaden muss dabei normativ als Aufwendung gelten können, die gerade der Abwendung des Versicherungsfalls gilt, und der jeweilige Fahrer muss das Ausweichmanöver nach den Umständen objektiv für erforderlich haben halten dürfen (unvermutetes Auftauchen eines Rehs).




Schadensminderungspflicht: - nach oben -
  • OG Saarbrücken v. 08.02.2012:
    Fährt ein Versicherungsnehmer nach einem nächtlichen Zusammenstoß mit einem Fuchs auf einer Bundesautobahn zum nächsten Parkplatz weiter, so führt er einen dadurch entstandenen Motorschaden nicht durch grob fahrlässige Verletzung seiner Schadenminderungsobliegenheit herbei.




Bremsen bzw. Ausweichen vor Tieren/Rettungshandlungen: - nach oben -


Beweislage: - nach oben -
  • OLG Jena v. 12.05.1999:
    Allein die nicht unwahrscheinliche Konstellation, dass dem Versicherungsnehmer bei einem Wildschaden keine Zeugen oder Spuren zum Beweis zur Verfügung stehen, rechtfertigt es nicht, - wie bei den Entwendungsfällen in der Fahrzeugversicherung - dem Versicherungsnehmer Beweiserleichterungen zuzubilligen.

  • LG Berlin v. 09.09.2008:
    Anders als in den Kfz-Entwendungsfällen, in denen Beweiserleichterungen sowie die Redlichkeitsvermutung zu Gunsten des Versicherungsnehmers eingreifen, trägt der Versicherungsnehmer bei einem Wildschadenfall die volle Beweislast. Eine typische Beweisnot ist bei Wildunfällen nicht gegeben, da neben möglichen Zeugen hinsichtlich des Unfallgeschehens oftmals auch das Tier, mit welchem es zur Kollision gekommen ist, an der Unfallstelle aufgefunden werden kann und auch Untersuchungen am beteiligten Fahrzeug den Rückschluss auf einen Wildschaden in vielen Fällen ermöglichen.




Pflicht zur Polizeimeldung: - nach oben -





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